Der Traum von der eigenen psychologischen Privatpraxis beschäftigt viele Fachkräfte im Gesundheitswesen. Die Vorstellung, endlich selbstbestimmt arbeiten zu können, eigene therapeutische Schwerpunkte zu setzen und dabei auch noch wirtschaftlich erfolgreich zu sein, wirkt verlockend. Doch zwischen dem ersten Gedanken an die Selbstständigkeit und einer florierenden Praxis liegen zahlreiche Herausforderungen, die es zu meistern gilt.
Eine psychologische Privatpraxis zu gründen bedeutet weit mehr, als nur ein Schild an die Tür zu hängen. Es handelt sich um ein komplexes Unterfangen, das sowohl therapeutische Expertise als auch unternehmerisches Geschick erfordert. Verschiedene Perspektiven spielen dabei eine Rolle: die rechtlichen Rahmenbedingungen in Österreich, die betriebswirtschaftlichen Aspekte, die Praxisorganisation und nicht zuletzt die Patientenakquise in einem zunehmend umkämpften Markt.
Dieser umfassende Leitfaden bietet Ihnen alle wesentlichen Informationen, die Sie für den erfolgreichen Aufbau Ihrer eigenen Praxis benötigen. Von den ersten Planungsschritten über die rechtlichen Voraussetzungen bis hin zu bewährten Strategien für nachhaltigen Erfolg – hier finden Sie praxiserprobte Tipps und konkrete Handlungsempfehlungen, die Ihnen den Weg in die Selbstständigkeit ebnen.
Rechtliche Grundlagen und Voraussetzungen in Österreich
Die Gründung einer psychologischen Privatpraxis in Österreich unterliegt strengen gesetzlichen Bestimmungen. Das Psychologengesetz 2013 bildet dabei das rechtliche Fundament für alle Aktivitäten im Bereich der psychologischen Behandlung. Ohne die entsprechende Berechtigung dürfen Sie keine psychologischen Dienstleistungen anbieten.
Erforderliche Qualifikationen und Berechtigungen
Für die Ausübung der Klinischen Psychologie benötigen Sie zunächst ein abgeschlossenes Psychologiestudium sowie eine spezielle postgraduale Ausbildung. Diese umfasst:
- Theoretische Ausbildung: Mindestens 300 Stunden in klinisch-psychologischer Diagnostik und Behandlung
- Praktische Ausbildung: 1.480 Stunden unter fachlicher Anleitung
- Supervision: Regelmäßige Begleitung durch erfahrene Klinische Psychologen
- Selbsterfahrung: Mindestens 120 Stunden zur Reflexion der eigenen Person
Die Eintragung in die Liste der Klinischen Psychologen beim Bundesministerium für Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz ist zwingend erforderlich. Erst nach erfolgreichem Abschluss dieses Verfahrens dürfen Sie eine eigene Praxis eröffnen.
"Die solide Ausbildung bildet das Fundament für jede erfolgreiche therapeutische Tätigkeit – ohne sie ist nachhaltiger Erfolg unmöglich."
Gewerberechtliche Bestimmungen
Neben den psychologischen Qualifikationen müssen Sie auch die gewerberechtlichen Voraussetzungen erfüllen. Die Tätigkeit als Klinischer Psychologe gilt als freies Gewerbe, was bedeutet, dass keine spezielle Gewerbeberechtigung erforderlich ist. Dennoch müssen Sie:
🔹 Eine Gewerbeanmeldung bei der zuständigen Bezirkshauptmannschaft durchführen
🔹 Die entsprechenden Sozialversicherungsbeiträge entrichten
🔹 Steuerliche Verpflichtungen erfüllen
🔹 Berufshaftpflichtversicherung abschließen
🔹 Datenschutzbestimmungen einhalten
Finanzplanung und Businessplan
Eine solide Finanzplanung bildet das Rückgrat jeder erfolgreichen Praxisgründung. Ohne realistische Kalkulationen und einen durchdachten Businessplan scheitern viele Gründungsvorhaben bereits in der Anfangsphase.
Investitionskosten kalkulieren
Die Anfangsinvestitionen für eine psychologische Privatpraxis variieren erheblich, je nach Ausstattung und Standort. Eine realistische Kostenschätzung sollte folgende Posten berücksichtigen:
| Kostenpunkt | Geschätzte Kosten (€) |
|---|---|
| Praxiseinrichtung (Möbel, Technik) | 15.000 – 30.000 |
| Erstausstattung (Tests, Materialien) | 3.000 – 8.000 |
| Marketing und Webpräsenz | 2.000 – 5.000 |
| Kaution und Umbaukosten | 5.000 – 15.000 |
| Betriebskapital (erste 6 Monate) | 20.000 – 40.000 |
| Gesamtsumme | 45.000 – 98.000 |
Diese Zahlen dienen als Orientierung und können je nach individuellen Ansprüchen und lokalen Gegebenheiten stark variieren. Wichtig ist, dass Sie einen ausreichenden Puffer für unvorhergesehene Ausgaben einplanen.
Laufende Kosten und Umsatzplanung
Neben den einmaligen Investitionen entstehen monatlich wiederkehrende Kosten, die Sie in Ihrer Kalkulation berücksichtigen müssen:
- Miete und Nebenkosten: 800 – 2.500 Euro
- Versicherungen: 200 – 400 Euro
- Fortbildungen und Supervision: 300 – 600 Euro
- Marketing und Werbung: 200 – 800 Euro
- Büromaterial und Software: 100 – 300 Euro
- Steuerberater und Buchhaltung: 200 – 500 Euro
"Eine konservative Umsatzplanung schützt vor bösen Überraschungen und ermöglicht nachhaltiges Wachstum."
Bei der Umsatzplanung sollten Sie realistisch kalkulieren. Als Richtwert können Sie mit 80-120 Euro pro Therapiesitzung rechnen. Bei 20 Sitzungen pro Woche ergibt sich ein monatlicher Bruttoumsatz von etwa 6.400 – 9.600 Euro. Berücksichtigen Sie dabei, dass nicht jede Woche vollständig ausgebucht sein wird, besonders in der Anfangsphase.
Standortwahl und Praxisräume
Die Wahl des richtigen Standorts entscheidet maßgeblich über den Erfolg Ihrer Praxis. Dabei spielen sowohl praktische als auch psychologische Faktoren eine wichtige Rolle.
Kriterien für die Standortwahl
Ein optimaler Praxisstandort zeichnet sich durch mehrere Eigenschaften aus. Die Erreichbarkeit steht dabei an erster Stelle – Ihre Patienten müssen die Praxis problemlos finden und erreichen können. Öffentliche Verkehrsmittel in der Nähe und ausreichend Parkplätze sind daher unerlässlich.
Die Diskretion spielt in der psychologischen Behandlung eine besondere Rolle. Patienten möchten nicht riskieren, beim Betreten oder Verlassen der Praxis von Bekannten gesehen zu werden. Ein separater Eingang oder eine diskrete Lage können hier entscheidende Vorteile bieten.
🔸 Zentrale Lage mit guter Verkehrsanbindung
🔸 Diskrete Atmosphäre ohne Laufkundschaft
🔸 Ruhige Umgebung ohne störende Geräusche
🔸 Angemessene Größe für Wartebereich und Behandlungsräume
🔸 Möglichkeit zur individuellen Gestaltung
Raumgestaltung und Atmosphäre
Die Gestaltung Ihrer Praxisräume beeinflusst das Wohlbefinden Ihrer Patienten erheblich. Eine therapeutische Atmosphäre entsteht durch die richtige Balance aus Professionalität und Wärme. Helle, freundliche Farben schaffen eine positive Grundstimmung, während zu aufdringliche oder düstere Gestaltung abschreckend wirken kann.
Der Wartebereich sollte Ruhe und Diskretion ausstrahlen. Zeitschriften, dezente Hintergrundmusik und bequeme Sitzgelegenheiten tragen zum Wohlbefinden bei. Achten Sie darauf, dass Patienten im Wartebereich nicht zwangsläufig miteinander in Kontakt kommen müssen.
Das Herzstück bildet der Behandlungsraum. Hier sollten Sie auf eine professionelle, aber nicht sterile Atmosphäre achten. Pflanzen, warmes Licht und hochwertige Möbel schaffen Vertrauen und Wohlbefinden. Die Sitzordnung sollte flexibel gestaltbar sein, um verschiedene therapeutische Settings zu ermöglichen.
"Der erste Eindruck entscheidet oft über Vertrauen und Therapieerfolg – investieren Sie daher bewusst in eine ansprechende Raumgestaltung."
Marketing und Patientenakquise
Ohne Patienten gibt es keine Praxis – deshalb kommt dem Marketing eine zentrale Bedeutung zu. Viele Psychologen scheuen sich vor diesem Bereich, doch professionelle Öffentlichkeitsarbeit ist nichts anderes als Information über Ihre Kompetenzen und Angebote.
Online-Präsenz aufbauen
Eine professionelle Webseite bildet heute das Fundament jeder erfolgreichen Praxisführung. Potenzielle Patienten informieren sich zunächst online über Therapeuten in ihrer Nähe. Ihre Webseite sollte daher alle wichtigen Informationen übersichtlich präsentieren:
Grundlegende Inhalte Ihrer Webseite:
- Ihre Qualifikationen und Spezialisierungen
- Behandlungsschwerpunkte und -methoden
- Kontaktdaten und Anfahrtsbeschreibung
- Terminvereinbarung und Sprechzeiten
- Informationen zu Kosten und Kostenerstattung
Suchmaschinenoptimierung (SEO) hilft dabei, dass Ihre Praxis bei relevanten Suchanfragen gefunden wird. Verwenden Sie lokale Suchbegriffe und stellen Sie sicher, dass Ihre Praxis in Google My Business und anderen Verzeichnissen eingetragen ist.
Netzwerk und Kooperationen
Der Aufbau eines professionellen Netzwerks erweist sich als einer der effektivsten Wege zur Patientengewinnung. Hausärzte, andere Therapeuten und medizinische Einrichtungen können wichtige Zuweiser werden.
| Kooperationspartner | Vorteile der Zusammenarbeit |
|---|---|
| Hausärzte | Regelmäßige Überweisungen, medizinische Begleitung |
| Fachärzte (Psychiater, Neurologen) | Interdisziplinäre Behandlung, komplexe Fälle |
| Andere Psychologen | Vertretungen, Spezialisierungsaustausch |
| Beratungsstellen | Überweisungen, gemeinsame Projekte |
| Unternehmen | Betriebliche Gesundheitsförderung, Workshops |
Regelmäßige Fortbildungen und Fachveranstaltungen bieten ideale Gelegenheiten zum Networking. Präsentieren Sie sich als kompetenter Ansprechpartner und scheuen Sie sich nicht, Ihre Expertise zu teilen.
"Nachhaltiger Praxiserfolg entsteht durch Vertrauen und Weiterempfehlungen – investieren Sie daher in langfristige Beziehungen."
Spezialisierung als Erfolgsfaktor
In einem zunehmend umkämpften Markt kann eine klare Spezialisierung entscheidende Vorteile bringen. Anstatt als "Generalist" für alle Probleme da sein zu wollen, positionieren Sie sich als Experte für bestimmte Bereiche:
- Angststörungen und Phobien
- Burnout und Stressmanagement
- Paartherapie und Beziehungsberatung
- Kinder- und Jugendpsychologie
- Traumatherapie
- Neuropsychologie
Eine Spezialisierung ermöglicht es Ihnen, höhere Honorare zu verlangen und sich als Experte zu etablieren. Zudem erleichtert sie das Marketing, da Sie gezielter potenzielle Patienten ansprechen können.
Praxisorganisation und Verwaltung
Eine effiziente Organisation bildet das Rückgrat jeder erfolgreichen Praxis. Dabei geht es nicht nur um die optimale Nutzung Ihrer Zeit, sondern auch um die Zufriedenheit Ihrer Patienten und die Einhaltung rechtlicher Vorgaben.
Terminplanung und Patientenverwaltung
Moderne Praxissoftware erleichtert die Verwaltung erheblich und minimiert administrative Aufgaben. Eine gute Software sollte folgende Funktionen bieten:
- Online-Terminbuchung für Patienten
- Automatische Erinnerungen per E-Mail oder SMS
- Patientenakte mit Behandlungshistorie
- Abrechnungsmanagement
- Datenschutzkonforme Speicherung
Die Terminplanung sollte flexibel gestaltet sein, um auf Notfälle reagieren zu können. Planen Sie bewusst Pufferzeiten ein und berücksichtigen Sie, dass manche Sitzungen länger dauern können als geplant.
Dokumentation und Datenschutz
Die ordnungsgemäße Dokumentation ist nicht nur rechtlich vorgeschrieben, sondern auch für die Qualität der Behandlung essentiell. Jede Therapiesitzung sollte zeitnah dokumentiert werden, wobei Sie sich auf die wesentlichen Inhalte konzentrieren sollten.
Besondere Aufmerksamkeit verdient der Datenschutz. Die Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) stellt strenge Anforderungen an den Umgang mit Patientendaten. Stellen Sie sicher, dass:
- Alle Daten verschlüsselt gespeichert werden
- Zugriffsrechte klar geregelt sind
- Patienten über die Datenverwendung informiert werden
- Regelmäßige Datensicherungen durchgeführt werden
- Ein Löschkonzept für alte Daten existiert
"Vertrauen ist die Basis jeder therapeutischen Beziehung – ein Datenschutzverstoß kann dieses Vertrauen für immer zerstören."
Honorargestaltung und Abrechnung
Die Festlegung angemessener Honorare stellt viele Praxisgründer vor Herausforderungen. Einerseits möchten Sie fair und zugänglich bleiben, andererseits muss die Praxis wirtschaftlich tragfähig sein.
Honorarhöhe bestimmen
Bei der Honorarfestlegung sollten Sie verschiedene Faktoren berücksichtigen. Ihre Qualifikation und Erfahrung rechtfertigen entsprechende Preise – scheuen Sie sich nicht, Ihre Expertise angemessen zu bewerten. Die lokalen Marktpreise geben Ihnen eine Orientierung, doch Sie müssen sich nicht zwangsläufig am unteren Ende bewegen.
Übliche Honorarsätze in Österreich bewegen sich zwischen:
- Erstgespräch: 100-150 Euro
- Einzeltherapie: 80-120 Euro pro Sitzung
- Paartherapie: 120-180 Euro pro Sitzung
- Gruppentherapie: 40-60 Euro pro Person
Berücksichtigen Sie bei der Preisgestaltung auch Ihre laufenden Kosten. Eine Stunde Therapie erfordert oft zusätzliche Zeit für Vor- und Nachbereitung, Dokumentation und administrative Tätigkeiten.
Kostenerstattung durch Versicherungen
Viele Patienten sind auf Kostenerstattung durch Krankenkassen oder private Versicherungen angewiesen. Informieren Sie sich über die aktuellen Bestimmungen und kommunizieren Sie diese transparent:
Gesetzliche Krankenversicherung:
- Kostenübernahme bei kassenärztlicher Überweisung
- Begrenzte Anzahl von Sitzungen
- Wartezeiten für Termine
Private Zusatzversicherungen:
- Oft bessere Erstattungssätze
- Flexiblere Therapeutenwahl
- Kürzere Wartezeiten
Stellen Sie Ihren Patienten alle notwendigen Unterlagen für die Kostenerstattung zur Verfügung und unterstützen Sie sie bei der Antragstellung.
"Transparente Kommunikation über Kosten verhindert Missverständnisse und schafft Vertrauen von Beginn an."
Qualitätssicherung und Weiterbildung
Kontinuierliche Qualitätssicherung und regelmäßige Weiterbildung sind nicht nur rechtlich vorgeschrieben, sondern auch essentiell für den langfristigen Erfolg Ihrer Praxis.
Supervision und Intervision
Regelmäßige Supervision hilft dabei, die eigene Arbeit zu reflektieren und schwierige Fälle zu besprechen. Auch erfahrene Therapeuten profitieren von externem Feedback und neuen Perspektiven.
Formen der Supervision:
- Einzelsupervision: Intensive, individuelle Betreuung
- Gruppensupervision: Austausch mit Kollegen, kostengünstiger
- Intervision: Kollegiale Beratung ohne externen Supervisor
- Fallbesprechungen: Fokus auf spezielle Problematiken
Planen Sie Supervision als festen Bestandteil Ihrer Praxisführung ein und berücksichtigen Sie die Kosten in Ihrer Kalkulation.
Fortbildungen und Spezialisierungen
Der Bereich der Psychologie entwickelt sich kontinuierlich weiter. Neue Therapiemethoden, veränderte gesellschaftliche Herausforderungen und wissenschaftliche Erkenntnisse erfordern lebenslanges Lernen.
Investieren Sie bewusst in Ihre Weiterbildung:
- Methodenspezifische Trainings (z.B. EMDR, ACT, DBT)
- Zielgruppenspezifische Fortbildungen (z.B. Traumatherapie, Suchtbehandlung)
- Wissenschaftliche Kongresse für neueste Erkenntnisse
- Online-Seminare für flexible Weiterbildung
Eine kontinuierliche Weiterbildung erhöht nicht nur Ihre Kompetenz, sondern auch Ihre Attraktivität für Patienten und Kooperationspartner.
Häufige Herausforderungen meistern
Der Weg zur erfolgreichen Privatpraxis ist selten geradlinig. Verschiedene Herausforderungen können auftreten, die es zu bewältigen gilt.
Work-Life-Balance
Die Selbstständigkeit bringt oft die Versuchung mit sich, rund um die Uhr verfügbar zu sein. Doch gerade als Psychologe müssen Sie auf Ihre eigene psychische Gesundheit achten.
Strategien für eine gesunde Work-Life-Balance:
- Klare Arbeitszeiten definieren und einhalten
- Regelmäßige Pausen und Erholungszeiten planen
- Vertretungsregelungen für Urlaub und Krankheit
- Grenzen zwischen Privatem und Beruflichem ziehen
- Eigene Therapie oder Coaching in Anspruch nehmen
Umgang mit schwierigen Situationen
In der therapeutischen Arbeit können verschiedene herausfordernde Situationen auftreten:
Kriseninterventionen: Bereiten Sie sich auf Notfälle vor und haben Sie ein Netzwerk von Kooperationspartnern für akute Fälle.
Zahlungsausfälle: Klare Vereinbarungen und professionelles Mahnwesen minimieren finanzielle Risiken.
Beschwerden: Ein transparenter Umgang mit Kritik und ein strukturiertes Beschwerdemanagement schützen Ihren Ruf.
"Herausforderungen sind Chancen zur Weiterentwicklung – wichtig ist, aus jeder Situation zu lernen."
Praxiswachstum gestalten
Mit wachsendem Erfolg stellt sich die Frage nach der Praxiserweiterung. Verschiedene Optionen stehen zur Verfügung:
- Zusätzliche Behandlungsräume für mehr Patienten
- Anstellung von Mitarbeitern für administrative Aufgaben
- Kooperationen mit anderen Therapeuten
- Erweiterung des Leistungsspektrums (z.B. Workshops, Vorträge)
- Zweigpraxis an einem anderen Standort
Jede Erweiterung sollte sorgfältig geplant und kalkuliert werden. Wachstum um jeden Preis kann schnell zu Überlastung und Qualitätsverlust führen.
Technologie und Digitalisierung
Die Digitalisierung verändert auch die psychologische Praxis grundlegend. Moderne Technologien bieten neue Möglichkeiten, bringen aber auch Herausforderungen mit sich.
Online-Therapie und Telepsychologie
Die Corona-Pandemie hat Online-Therapie salonfähig gemacht. Viele Patienten schätzen die Flexibilität und den Wegfall von Anfahrtswegen. Für Praxisinhaber eröffnen sich neue Zielgruppen und Geschäftsmodelle.
Vorteile der Online-Therapie:
- Größere Reichweite, auch ländliche Gebiete
- Flexible Termingestaltung
- Geringere Raumkosten
- Attraktiv für technikaffine Patienten
Herausforderungen:
- Technische Ausstattung und Datenschutz
- Begrenzte nonverbale Kommunikation
- Schwierigere Krisenintervention
- Rechtliche Unsicherheiten bei grenzüberschreitender Behandlung
Digitale Tools für die Praxisführung
Moderne Software-Lösungen können die Praxisführung erheblich erleichtern:
Praxisverwaltung:
- Terminplanung und -verwaltung
- Patientenakten und Dokumentation
- Abrechnung und Mahnwesen
- Statistiken und Auswertungen
Kommunikation:
- Sichere Messenger für Patientenkontakt
- Newsletter und Informationsversand
- Online-Terminbuchung
- Bewertungsmanagement
Therapeutische Tools:
- Apps für Hausaufgaben und Übungen
- Digitale Tests und Fragebögen
- VR-Anwendungen für Expositionstherapie
- Biofeedback-Geräte
"Technologie sollte die therapeutische Beziehung unterstützen, nicht ersetzen – der menschliche Kontakt bleibt das Herzstück der Psychologie."
Nachhaltigkeit und Zukunftsplanung
Eine erfolgreiche Praxis denkt nicht nur an den aktuellen Erfolg, sondern auch an die langfristige Entwicklung und Nachhaltigkeit.
Ökologische Nachhaltigkeit
Auch Praxen können einen Beitrag zum Umweltschutz leisten:
- Papierloses Büro durch digitale Dokumentation
- Energieeffiziente Beleuchtung und Heizung
- Nachhaltige Materialien bei der Einrichtung
- Förderung öffentlicher Verkehrsmittel für Patienten
- Regionale Kooperationspartner bevorzugen
Nachfolgeplanung
Auch wenn die Praxis gerade erst gegründet wird, sollten Sie bereits an die Zukunft denken:
Optionen für die Praxisnachfolge:
- Verkauf an einen Kollegen
- Übernahme durch einen Mitarbeiter
- Fusion mit einer anderen Praxis
- Schließung und Patientenüberweisung
Eine frühzeitige Planung erhöht die Chancen auf eine erfolgreiche Übergabe und sichert den Wert Ihrer Investition.
Kontinuierliche Qualitätsentwicklung
Erfolgreiche Praxen entwickeln sich kontinuierlich weiter:
- Regelmäßige Patientenbefragungen zur Zufriedenheit
- Analyse von Behandlungsergebnissen
- Benchmarking mit anderen Praxen
- Implementierung neuer Methoden
- Anpassung an gesellschaftliche Veränderungen
Wie lange dauert es, bis eine psychologische Privatpraxis profitabel wird?
Die Anlaufphase einer psychologischen Privatpraxis beträgt typischerweise 12-24 Monate. In den ersten sechs Monaten sollten Sie mit etwa 30-50% Auslastung rechnen, die sich bei gutem Marketing und Netzwerkaufbau auf 70-80% steigern lässt. Die Profitabilität hängt stark von Ihren Fixkosten, der Honorarhöhe und der regionalen Konkurrenz ab.
Welche Versicherungen sind für eine psychologische Privatpraxis unbedingt erforderlich?
Unbedingt erforderlich ist eine Berufshaftpflichtversicherung, die Sie vor Schadenersatzansprüchen schützt. Zusätzlich empfehlen sich eine Betriebshaftpflichtversicherung für die Praxisräume, eine Rechtsschutzversicherung und eine Praxisausfallversicherung für Krankheits- oder andere Ausfallzeiten. Eine Cyber-Versicherung wird bei digitaler Datenverarbeitung immer wichtiger.
Kann ich als angestellter Psychologe bereits eine Privatpraxis als Nebentätigkeit führen?
Grundsätzlich ist eine Nebentätigkeit möglich, jedoch müssen Sie mehrere Punkte beachten: Ihr Arbeitgeber muss der Nebentätigkeit zustimmen, es dürfen keine Interessenkonflikte entstehen, und die Arbeitszeiten dürfen sich nicht überschneiden. Außerdem müssen Sie die steuerlichen Aspekte und die Sozialversicherungspflicht klären. Eine rechtliche Beratung ist in jedem Fall empfehlenswert.
Wie finde ich geeignete Praxisräume für eine psychologische Privatpraxis?
Bei der Raumsuche sollten Sie auf Diskretion, Ruhe und gute Erreichbarkeit achten. Medizinische Zentren, ruhige Bürogebäude oder Erdgeschosswohnungen in Wohngebieten eignen sich oft gut. Vermeiden Sie Ladenlokale mit viel Laufkundschaft. Die Räume sollten einen separaten Wartebereich, mindestens einen Behandlungsraum und sanitäre Anlagen umfassen. Achten Sie auf Barrierefreiheit und ausreichende Parkplätze.
Welche Fortbildungen sind für Klinische Psychologen in Österreich verpflichtend?
Klinische Psychologen müssen innerhalb von fünf Jahren mindestens 40 Stunden Fortbildung nachweisen. Diese müssen von anerkannten Institutionen angeboten werden und relevante Themen der klinischen Psychologie behandeln. Zusätzlich sind regelmäßige Supervisionen vorgeschrieben. Die genauen Bestimmungen finden Sie in der Fortbildungsverordnung des Psychologengesetzes.
Wie kann ich meine psychologische Privatpraxis von der Konkurrenz abheben?
Eine klare Spezialisierung ist der wichtigste Differenzierungsfaktor. Konzentrieren Sie sich auf bestimmte Störungsbilder oder Zielgruppen und werden Sie zum anerkannten Experten in diesem Bereich. Zusätzlich können eine außergewöhnliche Praxisatmosphäre, innovative Behandlungsmethoden, flexible Terminzeiten oder besondere Services wie Online-Therapie Alleinstellungsmerkmale schaffen. Authentisches Marketing und persönliche Empfehlungen sind oft wirksamer als teure Werbung.
