Der Hundeflüsterer

Cesar Millan: Der Hundeflüsterer in Wien

Letztes Wochenende war es soweit, der vieldiskutierte “Hundeflüsterer” Cesar Millan lud zu zwei Vorträgen in die Wiener Stadthalle und gab sich unerwartet zahm, was vermutlich den strengen Auflagen des Veterinäramtes und den ebenso entschiedenen Kontrollen der zuständigen Behörden zu verdanken sein dürfte. Und wahrscheinlich nicht zuletzt dem professionellen Team des “Hundeflüsterers”, von dem sich so manch anderer Involvierte laut einigen BesucherInnen der Show durchaus eine Scheibe abschneiden könnte.

Mancher Gesandter ist kein Geschickter

Während der offensichtlich diplomatisch vorgehende Entertainer verschiedensten BesucherInnen zufolge anstelle tierschutzrelevanter Trainingsmethoden seine Qualitäten als Rhetoriker zur Schau stellte, und das Publikum mithilfe einiger guter Lacher in Windeseile um den kleinen Finger wickelte, bewiesen andere Beteiligte weniger Feingefühl und sorgten mit pauschalen Anfeindungen diverser Tierschutzorganisationen für negative Stimmung im Saal. Denise Houszka, sachverständige Tierschützerin und akademisch geprüfte Kynologin, hat sich die Show als Millan-Kritikerin ebenfalls angeschaut und meint dazu folgendes:

“Seinen Status als Hundeguru rechtfertigte bei dieser Veranstaltung jedenfalls mehr die Verpackung als der Inhalt. Selbst der durchschnittlich interessierte Hundebesitzer dürfte keine kynologischen News mit nach Hause genommen haben. Es hat anscheinend also doch ein Mascherl ob längst bekannte Aussagen von einem TV-Star oder vom Hundetrainer ums Eck’ kommen. Einen negativen Eindruck hinterließen hingegen die Organisatoren der Veranstaltung – hier wurde leider die Pauschalisierungskeule geschwungen und negative Stimmung gegen Tierschutzvereine verbreitet. Schade, aber es sind augenscheinlich nun mal zwei Paar Schuhe, den Auftritt eines professionellen Entertainers zu organisieren und dessen Professionalität auch selbst an den Tag zu legen.”, so Houszka zu DogsintheCity.at.

Barbara "Sunny" Benett, ebenfalls akademisch geprüfte Kynologin und Pressesprecherin des VÖHT meinte dazu folgendes: “Das Prinzip modernen Hundetrainings ist, erwünschtes Verhalten durch positives Hervorheben ebendessen zu bestätigen. Ich finde es toll, dass unser amerikanischer Besucher sich so brav an das gängige Tierschutzgesetz gehalten hat und im Rahmen der Stadthallen-Shows (im Gegensatz zu manchen TV-Episoden) keine Hunde leiden mussten. Vielleicht kann er aus seinem Wien-Besuch ja folgendes mitnehmen: Es gibt auch genug Applaus, wenn man Hunde nicht an dünnen Würgeschlaufen führt.”

Karina Kalks, Hundetrainerin mit Spezialisierung auf die Ausbildung von Suchhunden, hat sich die Show ebenfalls angeschaut und kommt zu folgender Conclusio:

“Jetzt habe ich ihn also gesehen. Er ist im Original bestimmt recht witzig als Grundkurs für Anfänger. Was mir Angst macht, ist seine Anhängerschaft, die alleine, weil es Cesar macht, wahrscheinlich unkommentiert sehr viel aus dem TV übernimmt. Das Gefühl bei einer Sekte gelandet zu sein, hat sich bis zum Ende der Veranstaltung nicht gelegt.”

“Tausche TV-Hundetrainerticket gegen Training”

(c) Katharina Kovacs

(c) Katharina Kovacs

Entgegen aller uns, bis dato, bekannten Medienberichterstattungen, gab es an besagtem Wochendende keine Protestaktionen vor der Wiener Stadthalle. Lediglich ein Infostand des Vereins gegen Tierfabriken (VGT) sowie 20 friedliche und freiwillige HelferInnen der länderübergreifenden Aktion „Tausche TV-Trainer-Ticket gegen Training“ waren vor der Wiener Stadthalle anzutreffen. Die friedliche Aktion wurde von der Initiative für gewaltfreies Hundetraining anlässlich des Zürich-Besuchs des „Hundeflüsterers“ Cesar Millan ins Leben gerufen und wird mittlerweile von über 220 Fachpersonen aus dem In- und Ausland unterstützt. Damit nicht genug. Laut einer Pressemitteilung des Verwaltungsgerichts Hannover wurde gestern am 15.9.2014 ein "Eilantrag des als 'Hundeflüsterer' international bekannten Cesar Millan abgelehnt, der festgestellt wissen wollte, dass er für seine Veranstaltung am 17.9.2014 keine Erlaubnis nach dem TierSchG braucht. (...) Der Antragsteller tritt ab Mittwoch mit seiner Show „The Leader of the Pack" im Bundesgebiet auf. Die erste Veranstaltung findet am 17.09.2014 in Hannover in der Swiss-Life-Arena statt. Bei der Veranstaltung werden unter anderem zuvor ausgewählte Hunde auf der Bühne vorgeführt. Nach dem Veranstal­tungskonzept ist der Auftritt des Antragstellers mit fünf zuvor ausgewählten fremden Hunden von Zuschauern mit einer Dauer von jeweils bis zu zehn Minuten geplant. Diese Hunde werden etwa vier Stunden vor Beginn der Show vom Antragsteller ausgewählt und hinter der Bühne zusammen mit den Tierhaltern auf ihren Einsatz in der Show vorbereitet. Nach Auffassung der Landeshauptstadt als zuständiger Tierschutzbehörde bedarf der Antragsteller dafür einer Erlaubnis nach dem Tierschutzgesetz (TierSchG). Gemäß § 11 Abs. 1 Satz 1 Nr. 8 f) TierSchG (der zum 01.08.2014 in Kraft getreten ist) bedarf einer Erlaubnis, wer gewerbsmäßig für Dritte Hunde ausbilden oder die Ausbildung der Hunde durch den Tierhalter anleiten will. Diese Voraussetzungen sieht das Gericht als gegeben an. Die Erlaubnispflicht setze nicht voraus, dass dauerhaft und regelmäßig mit bestimmten fremden Hunden gearbeitet werde. Der Anwendungsbereich beschränke sich damit nicht auf Betreiber klassischer Hundeschulen. Mit der Regelung solle auch das nur einmalige Anleiten der Hundehalter durch gewerbsmäßig tätige Hundetrainer erfasst werden, weil es auch dadurch zu nachhalti­gen negativen Auswirkungen für das Wohlbefinden und Verhalten der Hunde kommen könne. Es sei davon auszugehen, dass die Hundehalter den Ratschlägen des Hun­detrainers bei der weite­ren Ausbildung der Hunde folgten. Daher müsse gewährleistet werden, dass diese Hundetrainer über eine entsprechende Sachkunde im Umgang mit Hunden verfügten."

(c) Katharina Kovacs

Entgegen den erwartungsgemäß am Thema vorbeigehenden Aussagen auf der offiziellen Facebook-Fanpage der Veranstaltung, ging es bei dieser Aktion keineswegs darum, die Shows zu boykottieren. Den BesucherInnen wurde lediglich ein Flugblatt zum Thema gewaltfreie Hundeerziehung inklusive Gutschein für eine (gewaltfreie) Trainingsstunde angeboten, welcher bei Vorlage des gebrauchten Tickets eingelöst werden kann. Weder wurden die Gäste belästigt, noch wurde ihnen das Infoblatt aufgedrängt. Die Flyer wurden angeboten und den Besucherinnen viel Spaß in der Show gewünscht. Von Aggression war außerhalb der Stadthalle jedenfalls nichts zu bemerken. Sowohl die AktivistInnen als auch die BesucherInnen hatten einen sehr höflichen und nicht zuletzt auch freundlichen Umgangston miteinander. Engagierte und ernstzunehmende TierschützerInnen gibt es eben doch. Aber wie sagt man so schön:

(c) Visual Statements

Warum der Hundeflüsterer Cesar Millan mit seinen Trainingsmethoden bereits im Vorfeld viel Staub aufwirbelte und warum man nicht alles, was man im Fernsehen sieht, glauben und nachmachen sollte, lesen Sie am besten hier.

Tiere, Hunde, Cesar Millan, Roman Schröck, Der Hundeflüsterer

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