Bernhard Moritz

Lustgeflüster

Jede Woche beantwortet Paar- und Sexualtherapeut Bernhard Moritz die Fragen, die Ihnen am meisten am Herzen liegen.

Mit der Sprache beim Sex ist es so eine Sache: Am Beginn einer erotischen Beziehung flutschen die Worte einfach so dahin. Sie sind frech, fordernd, direkt… Doch im Laufe der Beziehung wird eben nicht nur der Sex weniger, sondern auch das Reden beim selbigen und darüber.

Und wenn es dann darum geht, die Bedürfnisse zu formulieren, scheitern gerade Frauen, sich deutlich und den Bedürfnissen entsprechend auszudrücken. Und damit kehrt nicht nur der „Sex auf dem kleinsten gemeinsamen Nenner“ ins Schafzimmer ein, sondern auch der „Sex mit den wenigsten Worten“.

Muss man schweigen?

Und viele haben aufgegeben und sich der Wittgenstein´schen Erkenntnis hingegeben: „Wovon man nicht sprechen kann, darüber muss man schweigen.“ Und somit gehört es zu den wichtigsten Schritten bei der Neugründung der erotischen Beziehung, wieder eine eigene Sprache zu entwickeln und zu pflegen.

Hilfreich dabei sind folgende Fragen:

  • Welche Worte, die mich erregen, sind in meinem Kopf und gehören mir?
  • Welche Worte erregen mich, wenn ich sie sage?
  • Welche Worte erregen mich, wenn ich sie höre?
  • Welche Worte erregen mich, bei zunehmender Erregung?
  • Welche Worte sind für mich antörnend?
  • Welche Worte gehören für mich auf die No-Go-Liste?

Als Partner ist es schwierig, weil man zwar oft weiß, welche Worte ein „No go“ sind, aber der reiche Wortschatz der gewollten und erregenden Worte bleibt oft verborgen. Und so kommt es meist zum klassischen Fall, dass man unbewusst wieder einmal ein Wort verwendet, das abtörnend und damit sofort auf die Liste der sexuellen Unworte gehört. Und mit der Zeit quält Mann sich mit dem erotischen Wortschatz eines Kindes herum und Frau wirft ihm vor, dass er beim Sex nicht redet.

Wie könnte man den Spieß umdrehen?

Machen Sie mit Ihrem Partner folgende Spielregel aus: Beim nächsten Mal Sex soll er einfach einmal genau hinhören, was Sie so an Worten verwenden und vor allem auch in welchem Grad der Erregung. Und er soll sich einfach einmal einige davon merken. Klar, Sie müssen dazu bereit sein, ihre Bedürfnisse nicht mit „fester“, „langsamer“, „vorsichtiger“ etc. zu beschreiben, sondern klar und deutlich ausdrücken, was Sie wo, wann und wie wollen.

Seien Sie dabei einfach einmal phantasievoll. Es gibt mehr Worte für Ihre Vulva als „Muschi, Kätzchen, Möse, Fotze“ und die Eintönigkeit des Wortes „Schwanz“ ist auch nicht gerade ein sprachlicher Antörner.

Viel Spaß beim Üben und ausprobieren!

Bernhard Moritz, Sprache beim Sex, Reden beim Sex, Flüstern beim Sex

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