Bernhard Moritz

Guter Sex trotz Mama-Sein

Jede Woche beantwortet Paar- und Sexualtherapeut Bernhard Moritz die Fragen, die Ihnen am meisten am Herzen liegen.

„Ich hatte früher kreativen und lustvollen Sex. Seit ich Mutter bin habe ich das Problem, dass ich irgendwie mich selber blockiere. Ich denke mir immer: Das darf ich doch als Mama nicht.“ 

Zweifellos, Mama sein ist für viele Frauen eine sehr einschneidende Lebenserfahrung und verändert auch die Selbstwahrnehmung. Die Verantwortung für ein Kind, ändert vielfach das Selbstbild. Dinge, die man früher einfach gemacht hat, werden heute mehrfach hinterfragt. Das ist an sich gut so und wichtig. Denn die Vorbildwirkung ist ein wesentlicher Erziehungsfaktor; auch und gerade das Verhältnis zur eigenen Sexualität spielt eine große Rolle und das hat Auswirkungen: Frauen, die sich mit ihrer Mutterrolle sehr stark identifizieren und dabei – was in den ersten Jahre verständlich ist – ihr Frau-sein und ihr Erotisch-sein hintanstellen, habe oft in späterer Zeit Probleme sich wieder ihrer erotisch-weiblichen Seite zu widmen. Und gerade diese sehr starke Aufmerksamkeit auf das Mutter- Sein, spielt im erotischen Selbstbewusstsein einer Frau eine wichtige Rolle.„Darf ich das als Mama?“, „Tut man das als Mutter?“ – Diese Fragen stellen sich viele Frauen. Doch woher kommt das?

Nun zum einen sicher aus dem eigenen Mutterbild und Muttererleben. Seit Kindheitstagen verbinden wir mit der Mutter nicht unbedingt ein erotisches Wesen. Zum anderen aber auch das gesellschaftliche Mutterbild, das vor allem darauf beruht, dass die zentrale Beziehungsebene die Familie ist und nicht das Liebespaar. Vor allem aber spielt auch der Partner eine große Rolle, der – vielleicht unbewusst – die Frau gar nicht mehr aus der Mutterrolle entlässt, sondern sie sogar für ihre Mutterrolle lobt und sie darin bestärkt.

Frau-sein zulassen

Das ist zweifellos wichtig und wertvoll, ändert aber nichts an der Gefahr, dass Frauen, die sich sehr stark selber mit der Mutterrolle identifizieren, sich eben sehr schwer tun von sich aus, ihr Frau-sein und erotisch-sein zulassen. Und natürlich spielt letztlich die häusliche Situation eine zentrale Rolle, die es vielen Frauen schwer möglich macht sich auf ihr Frau sein zu konzentrierten, während eine Zwischenwand daneben der Nachwuchs schläft und ein Ohr immer am Babyphon dranhängt.

Was könnte helfen: Wichtig ist, dass Sie sich selber wieder erlauben, ihrem Frau-sein mehr Aufmerksamkeit zu schenken, und hinzuhören, was die Frau in Ihnen so spricht und Ihnen zuflüstert. Selbsterlaubnis ist der wichtigste und entscheidendste Faktor, um sich wieder erotisch ernst zu nehmen. Ein zweiter wichtiger Punkt ist es, sich selber wieder seiner Körperlichkeit hinzuwenden und den Körper wieder als erotisch und sinnlich zuzulassen; vor allem dann, wenn man als Mutter das Gefühl hat, dass der Körper eigentlich nur zu funktionieren hat, damit all die Anforderungen erfüllt werden. Wichtig ist schlussendlich, sich wieder auch beim Sex an sich selber heranzutasten. Der Druck, es müsste wieder alles so laufen wie früher, bringt nichts und trägt vielmehr zur Anspannung bei. 

Erogene Zonen

Durch sinnliche Berührungen, wieder ein Gefühl für Brüste, Vagina, Kitzler und die vielen anderen erogenen Zonen und Bereiche zu bekommen und sich auf eine erotische Reaktivierung gerade jener Zonen zu wagen, die rund um Baby und Kleinkind, „nur mehr“ mit der Mutterrolle reduziert sind, hilft auch, wieder mehr Selbstsicherheit, Lust-Bewusstsein zu gewinnen. Und vielleicht gelingt es dann, sich wieder der eigenen Sinnlichkeit und vielleicht auch ein wenig der eigenen Schamlosigkeit hinzugeben.

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