arme Kinderfüße

Armut in Österreich

Während hunderte Kinder am 24. Dezember ein Geschenk nach dem anderen auspacken, frieren auch dieses Jahr wieder tausende ÖsterreicherInnen zu Weihnachten. Eine Bestandsaufnahme über die Armut in Österreich.

„Was schenke ich meinen Kindern zu Weihnachten? Die haben doch schon alles!“ – Gedanken, die viele gut verdienende ÖsterreicherInnen jedes Jahr um diese Zeit haben. Während sich die einen im typischen Weihnachtsstress befinden, haben andere Familien schwerwiegendere Probleme. Kein Geld, dafür viele Sorgen. Die Frage, die dann jene am meisten beschäftigt ist: „Wie bringe ich meine Familie durch?“

Frauen sind stärker betroffen

In Österreich sind laut dem Netzwerk „Die Armutskonferenz“ rund zwölf Prozent armutsgefährdet. Somit haben eine Millionen ÖsterreicherInnen ein Einkommen unter der Armutsgrenze. Diese beträgt derzeit 1.031 Euro pro Monat. 500.000 Menschen sind sogar manifest arm und diese Zahl steigt kontinuierlich.

Die deutliche Zunahme dieser Personengruppe stellt eine besorgniserregende Entwicklung für Caritas-Präsident Franz Küberl dar „Die Zunahme der manifesten Armut ist deshalb so dramatisch, weil es hier um die täglichen Lebensbedingungen der Menschen geht. Manifest arm zu sein, heißt konkret, dass sich Menschen nicht ordentlich ernähren können, ihre Wohnung nicht angemessen warm halten oder auch notwendige Zahnarztbesuche aus Kostengründen nicht wahrnehmen können.“ Frauen sind dabei stärker als Männer betroffen. Ein Viertel der Armutsbetroffenen sind Kinder. Ihre Eltern sind zugewandert, erwerbslos, alleinerziehend oder haben Jobs, von denen sie nicht leben können.

Schuldenfalle Energierechnung

„Heizen ist jener Belastungsfaktor, der einkommensschwache Hände bettelnHaushalte am meisten trifft“, kritisiert Volkshilfe-Präsident Josef Weidenholzer und warnt aufgrund der stark steigenden Energiekosten vor neuen Armutsfallen: „In Österreich haben bereits 447.000 Menschen Zahlungsrückstände bei laufenden Wohnkosten.“ Die Situation hat sich soweit verschärft, dass heute 313.000 Menschen in Österreich in ihren Wohnungen frieren. Die Volkshilfe bekommt täglich Hilfsansuchen von Menschen mit Kindern, die keine Heizung haben, weil das Gas aufgrund von Zahlungsrückständen abgedreht ist. „Das ist ein unerträglicher Zustand“, sagt Weidenholzer.

Ursachen und Forderungen

Die Ursachen für die zunehmende, manifeste Armut sieht der Sozialexperte der Diakonie Österreich, Martin Schenk, in schlecht bezahlten Jobs gegenüber steigenden Ausgaben – vor allem für Wohnung, Heizung und Lebensmittel. Von den PolitikerInnen fordert er, dass sie die Ursachen bekämpfen. So sollten seiner Meinung nach mehr Sozialbauten und bessere Arbeitsverhältnisse geschaffen werden. „Auch das Schulsystem und die Bildung gehört verbessert, damit die Kinder zu einem höheren Abschluss kommen und somit eines Tages mehr verdienen können“, sagt Schenk. Und auch jeder Einzelne von uns kann durch Geld- oder Zeitspenden helfen. So gibt es zum Beispiel immer wieder freundliche Helferleins, die bereit sind, für diverse Einrichtungen wie die Gruft (Anm.: Obdachlosenheim in Wien) zu kochen. „Oft genügt es nur, die Augen offen zu halten. Armut betrifft uns alle und kann jeden treffen. Wegschauen ist keine Lösung.

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