Leben mit der Schwiegermutter

Wie kann ich mich gegen die Schwiegermutter durchsetzen?

Jede Woche beantwortet Paar- und Sexualtherapeut Bernhard Moritz die Fragen, die Ihnen am meisten am Herzen liegen.

Bernhard Moritz

Bernhard Moritz:

Welcher Schwiegermutter-Typ ist der Ihre? Nervig aber nützlich, aufmerksam-fürsorglich aber einmischend und hinterhältig, defensiv aber distanziert? Zwischen gut gemeint und übergriffig wirken zwei Kultur- und Wertehaltung der Ursprungsbeziehungen, aus denen die Partner kommen, auf die dritte, eigene Beziehung, die es als  Paar für sich zu entwickeln, zu pflegen und zu gestalten gilt. Und das macht es schwierig. Sich gegen Übergriffigkeiten durchzusetzen, heißt letztlich, als Paar die Exklusivität zu wahren und sich gegenüber den Einflüssen und „gut gemeinten“ Ratschlägen oder Einmischungen abzugrenzen.

Das gelingt dann, wenn vor allem der Mann sich klar und deutlich auf die Seite seiner Partnerin stellt und im Grundsatz seiner Mutter signalisiert, dass sie nicht mehr die „erste Frau“ im Leben ist. Und genau da tun sich Männer eher schwer. Sie wollen es sich mit ihrer Mutter nicht verscherzen und fühlen sich - sozusagen zwischen zwei Stühlen sitzend – oft als Prellbock von beiden und ziehen sich aus der Affäre mit Sätzen wie: „Da misch’ ich mich nicht ein“ oder „Das müsst ihr selber lösen.“ Auch die Variante der Beschwichtigung der Partnerin mit Sätzen wie: „So ist meine Mutter eben“ oder „Das musst du doch verstehen“ sind Strategien der Nichteinmischung.

Leben mit der Schwiegermutter

In allen Fällen wird aus dem „Streit“ der Schwiegertochter mit ihrer Schwiegermutter ein Konflikt in der Partnerschaft, dessen Ursache im Gefühl des „Nicht-Bekenntnisses“ zur Partnerin liegt. Und solange der Partner seiner Mutter einen Stellenwert gibt, der es ihr ermöglicht – durchaus oft gut gemeint aber eben vielfach schlecht getroffen – einen Zugriff auf ihren Sohn und damit auf die Beziehung zu haben, bleibt es eine „Dreiecksbeziehung“, die die Exklusivität der Paarbeziehung gefährdet. Entscheidend ist das „Bekenntnis“ zur Paar- und Liebesbeziehung; gerade gegenüber der Mutter und damit sozusagen gegenüber der Frau, die natürlich als Erziehende des Mannes eine besondere Bindung hat, damit sicherlich eine besondere Stellung einnimmt, aber eben nicht als Frau sondern als Mutter.

Ruhiges Leben „zu Dritt“?

Was könnte also nützlich sein? Gemeinsam als Paar sich überlegen, was wollen wir von unseren Eltern, welche Rolle dürfen und sollen sie spielen und wo ziehen wir Grenzen und machen deutlich, dass eine, wenn auch gut gemeinte Einmischung in die Beziehung, unerwünscht ist. Wichtig ist, dass vor allem der Partner dies deutlich und klar signalisiert. Das gibt Ihnen als seine Frau Sicherheit und Beistand und vor allem die Wertschätzung der Exklusivität und des Bekenntnisses zueinander. Wichtig ist weiter, dass der Partner sich im Zweifelsfall auf Ihre Seite stellt - sofern es gerechtfertigt ist - und damit ebenso klar und deutlich manifestiert, dass die Frau in seinem Leben Sie sind und nicht seine Mutter.

wavebreakmedia/ shutterstock.com

Wer ist die "erste Frau"?

Natürlich sind Mütter wie Schwiegermütter immer auch Teil eines Familien- und Helfersystems, auf den gerade junge Familien angewiesen sind. Professionelle Kinderbetreuung ist teuer und oft gar nicht in vollem Umfang leistbar. Und somit ist man froh, wenn die Mutter oder die Schwiegermutter unterstützend wirkt. Hier einen lebbaren und vernünftigen „Dienstleistungsvertrag“ auszuhandeln, der einerseits die Dienstleistung regelt und andererseits nicht als Einmischung empfunden wird, ist ein wichtiger und wertvoller Schritt zu klaren Grenzen und schafft jene Gestaltungsmöglichkeit und individuellen Freiräume in der Paarbeziehung, die gerade für ein liebevolles Miteinander in der Partnerschaft bewirken.

Kluge Schwiegermütter stellen ihr Know How zur Verfügung, akzeptieren Eigenheiten und Eigenarten der Lebensführung in der Partnerschaft ihrer Söhne und verstehen ihre Rolle als herzliche Mutter und Oma und nicht Fachfrau für die Bedürfnisse ihres Sohnes, und leiten daraus das Recht ab, die bessere „Frau“ für ihren Sohn zu sein. Und wenn es wirklich hart auf hart geht und kein grenzen-respektierendes Miteinander möglich ist? – Überlegen Sie, ob es für Sie als Partnerin wirklich attraktiv ist, mit einem Mann zusammenzuleben, der sich eigentlich noch nicht von seiner Mutter gelöst hat und letztlich in Ihnen eine Nachfolge-Mama mit erotischem Give-Away sieht.

Bernhard Moritz, Tipps für die Beziehung, Leben mit der Schwiegermutter

Kommentare (0) Comment

    Bislang noch keine Kommentare. Seien Sie die Erste!

Neueste Rezepte More