Frau mit Kind beim Arbeiten

„Nur wenn es uns gut geht, können wir für andere sorgen“

Kinder und Karriere – funktioniert das? Ja! Das sagt zumindest die Unternehmensberaterin und Mediatorin Susanne Strobach. Wie Pläne dabei helfen können und wie Frauen akzeptieren müssen, dass der Mann den Geschirrspüler anders ausräumt, verrät Sie im Interview.

Beruflich konzentriert sich die Unternehmensberaterin Susanne Strobach auf die Bereiche Personalentwicklung und Qualitätsmanagement. Privat hat sie sich auf das Wagnis Patchwork-Familie mit insgesamt vier Kindern und einem Kater eingelassen. Familie und Beruf unter einen Hut zu bringen und dabei zu genießen, ist eine spannende Herausforderung. So hat sie jahrelang als alleinerziehende Mutter tagsüber im Büro gearbeitet und nachts für Weiterbildungen gelernt, Seminare vorbereitet oder Bücher geschrieben, um am Nachmittag und frühen Abend Zeit für ihre Kinder aufzubringen. „Familie steht an erster Stelle. Da sage ich lieber ein Seminar ab, bevor die Kinder zu kurz kommen“, sagt Strobach. Wie man Job und Kinder schaukelt, verrät Sie im Interview mit sunny7.

sunny7: Der Sommer steht vor der Tür und damit neun Wochen, in denen die Schule geschlossen ist. Eltern müssen sich in der Zeit eine Lösung für die Betreuung ihrer Kinder suchen. Was raten Sie?
Susanne Strobach: Das Wichtigste ist, ein großes Netzwerk an Großeltern, Freunden, Bekannten und Nachbarn zu haben, die einen bei der Kinderbetreuung unterstützen. Wunderbar ist es auch, wenn sich Mütter gegenseitig helfen. Einmal unternimmt die eine Mutter etwas mit allen Kindern aus dem Bekanntenkreis und dann ist man selbst wieder an der Reihe mit der Betreuung. Auch Sport- oder Sprachwochen, Jungscharlager und Pfadfindercamps überbrücken die Ferienzeit.

Viele Frauen haben ein schlechtes Gewissen, wenn sie in der Arbeit sind und das Kind ständig bei der Oma ist. Wie kann man das Gefühl, eine „Rabenmutter“ zu sein, in den Griff bekommen?
Strobach: Wenn es dem Kind gut geht, gibt es keinen Grund für ein schlechtes Gewissen. Man sollte sich fragen, woher das schlechte Gewissen kommt. Das hat nämlich mit den Werten zu tun, die man in der Kindheit mitbekommen hat. Warum hat meine Freundin kein schlechtes Gewissen und ich schon? Warum ist es mir wichtig, „perfekt" zu wirken und alles selbst zu erledigen? Verschafft mir das Respekt oder habe ich einen anderen Nutzen? Betroffene sollten sich dessen bewusst werden und dann mit Hilfe einzelner Coaching-Stunden oder im Gespräch mit anderen Müttern versuchen, es anders zu machen.

Bedeutet das, das Modell Karriere mit Kind funktioniert oder muss man sich doch entweder für das eine oder das andere entscheiden?
Strobach: Ja, es funktioniert – mit viel Disziplin und man muss immer Prioritäten setzen. Man sollte sich auch fragen: Was bedeutet für mich Karriere? Genügt es mir, wenn ich einen Job finde, in dem ich mich wohl fühle oder strebe ich den Chefsessel an? Denn wenn man Karriere machen möchte, sollte man zur selben Zeit nicht auch gerade noch Kinder kriegen, außer man möchte das Familienmodell leben, wo der Vater in den ersten Jahren beim Kind ist.

Wie schafft man es, beides unter einem Hut zu bekommen, ohne dass eine Sache darunter leidet?
Strobach: Prioritäten setzen. Die Wohnung muss nicht immer blitzblank sein. Pläne, in denen man sich sämtliche Termine einträgt, helfen, die Übersicht zu bewahren und sich Dinge einzuteilen. Und vor allem müssen Frauen akzeptieren, dass sie nicht alles kontrollieren können. Also auch einmal Arbeit abgegeben, wie zum Beispiel an eine Putzfrau oder den Partner.

To Do-Listen und Pläne helfen auch, Zeit für mich zu finden?
Strobach: Der Kalender kann dabei nützlich sein, aber vor allem braucht es Disziplin, sich die Zeit für sich auch zu nehmen. Die eigenen Pläne sind die, die man zuerst zurücksteckt. Und ganz wichtig: Entspannung passiert nicht durch Nichtstun. Wir entspannen uns, indem wir uns auf etwas anderes konzentrieren, wie zum Beispiel Sport, Lesen, ins Kino gehen oder Briefmarken sammeln. Nur wenn es uns gut geht, können wir auch gut für andere sorgen. Nur wenn ich in meiner Mitte bin, kann ich empathisch mit Kindern, Partner oder pflegebedürftigen Angehörigen sein.

Dank der modernen Technologien können viele zu Hause arbeiten. E-Mails werden auch noch am Abend daheim am Handy gecheckt oder es wird mit einem Geschäftskunden geskypt. So kann man bei den Kindern sein und trotzdem arbeiten.
Strobach: Das halte ich für einen großen Fehler. Es ist ganz wichtig, Job und Familie zu trennen. Privat sollte man auch privat sein. Wenn man das nicht trennt, dann macht man nichts ganz. Das schlechte Gewissen wird stärker und man bekommt das Gefühl, man wird nie fertig ist und nirgends ganz mit der Aufmerksamkeit. Denn Arbeit gibt es ja immer. Ein Ritual, wie am Heimweg noch entspannt einen Kaffee zu trinken oder durch den Park zu gehen, kann helfen, den Büro-Tag abzuschließen und sich danach voll und ganz der Familie zu widmen.

Karriere, Haushalt, Kinder, Ehe. Welche Strategien gibt es, um nicht eines Tages völlig erschöpft und ausgebrannt zu sein?
Strobach: Wie schon bereits erwähnt, sich einen guten Plan zusammenzustellen. Und auch immer wieder zu reflektieren, sich die Säulen Familie, Beruf und sich selbst beobachten. Brauche ich wirklich den Luxus wie zwei Autos oder soll ich nicht stattdessen Teilzeit arbeiten, um mehr Zeit für mich zu haben oder bei den Kindern zu sein? Energieräuber, wie Freunde, die einen nur ausnützen oder die Stimmung bei jedem Treffen oder Telefonat hinunterziehen, sollte man vermeiden. Einfach schauen, was einem im Leben gut tut und alles andere streichen oder verändern. Dazu gehört auch, zu lernen, „Nein“ zu sagen.Frau zwischen zwei Welten

Was sollten Unternehmen für Frauen mit Kindern tun?
Strobach: Unternehmen sollten viel flexibler in ihren Arbeitszeiten werden. Man sollte sich als Mutter die Arbeitsstunden auch freier einteilen können.

Immer wieder haben Frauen das Gefühl, dass sich ihre Männer im Haushalt nicht genug engagieren. Wie kriegt man seinen Mann dazu, mehr zu helfen?
Strobach: Wie kriegt man die Frauen dazu, zu akzeptieren, wie ihre Männer die Dinge im Haushalt machen? Ich kenne Frauen, die sind der Meinung, dass ihre Männer den Geschirrspüler falsch ein- oder ausräumen. Die meisten Männer helfen gerne, aber Frauen müssen es aushalten, dass Männer die Dinge anders machen. Wenn ich hinter meinem Partner wieder alles umräume, wird er es in Zukunft gleich bleiben lassen, mitzuhelfen. Schließlich kann man von anderen Methoden ja auch etwas lernen.

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