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Kind spielt mit Bleistift auf Nase.

Leidet Ihr Kind unter ADHS?

Wenn Ihr Kind Konzentrationsprobleme zeigt, seine Aufmerksamkeitsspanne sehr gering ist oder es nicht still sitzen kann, fragen Sie sich vielleicht, ob es unter ADHS leidet. Wir haben die Experten vom renommierten Child Mind Institute in New York konsultiert.

Alle Kinder sind sehr aktiv, schnell zu begeistern, und hören nicht immer auf das, was Mama und Papa sagen. Einige Kinder sind jedoch auf dramatische Weise aktiver, impulsiver und unaufmerksamer als andere gleichaltrige Kinder. Zu diesem Zeitpunkt beginnen sich manche Eltern vielleicht zu fragen, ob das was sie bei ihrem Kind beobachten, ein Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätssyndrom sein könnte (ADHS).

ADHS-betroffene Kinder weisen eine Vielzahl an Symptomen auf, wobei Probleme in der Schule (die Unfähigkeit still sitzen zu bleiben oder der Drang, den Lehrer ständig zu unterbrechen) zu den häufigsten stereotypen Verhaltensweisen zählen. Tatsächlich aber scheinen die Symptome von ADHS alle Aspekte des Lebens eines Kindes zu betreffen. 

Was sind die Symptome von ADHS?

Es gibt drei konkrete Verhaltensweisen, die ADHS definieren: Hyperaktivität, Impulsivität und Unaufmerksamkeit. Hier sind einige Anzeichen, die signalisieren könnten, dass Ihr Kind hyperaktiv und impulsiv ist:

  • Es zappelt übermäßig viel herum.
  • Es bleibt nie bzw. kaum ruhig am Mittagstisch sitzen und steht ständig auf.
  • Es läuft und klettert ununterbrochen.
  • Es kann nicht leise spielen.
  • Es scheint ständig in Bewegung zu sein als würde es von einem Motor angetrieben werden.
  • Es redet übermäßig viel.
  • Es warten nicht, bis es an der Reihe ist.
  • Es unterbricht und mischt sich oft ein.

Symptome der dritten typischen Verhaltensweise (Unaufmerksamkeit) beinhaltet:

  • Es begeht immer wieder Flüchtigkeitsfehler.
  • Es hat Probleme, sich auf eine Aufgabe zu konzentrieren.
  • Es scheint einfach nicht zuzuhören, wenn man mit ihm direkt spricht.
  • Es befolgt keine oder nur selten Anweisungen.
  • Es hat Probleme, organisiert zu bleiben.
  • Es vermeidet oder mag keine länger andauernden Aufgaben.
  • Es verliert, verlegt oder vergisst ständig Sachen.
  • Es lässt sich leicht ablenken.
  • Es ist allgemein vergesslich.

Wann treten die Symptome auf?

ADHS Verhalten tritt erstmals meist im Alter von 3 bis 6 Jahren auf. Eltern bemerken das hyperaktive/impulsive Verhalten meist schon sehr früh. Anzeichen von Unaufmerksamkeit können jedoch bis zur Schulpflichtigkeit des Kindes unbemerkt bleiben.

Was ist noch normal und ab wann braucht die Familie Hilfe?

Es gibt natürlich kein Kind, das diese Verhaltensweisen nicht von Zeit zu Zeit aufweist. Die Erfahrung zeigt jedoch, dass Kinder mit ADHS dieses Verhalten dreimal öfter zeigen als Gleichaltrige. Die Herausforderung, ADHS zu verstehen und zu diagnostizieren, liegt also darin, dieses auffällige Verhalten („dimensionale“ Störung) je nach Kind unterschiedlich zu definieren und zu bewerten. 
Dazu einige Beispiele: Jedes Kind möchte die Spielsachen anderer Kinder ausborgen oder haben. Ein Kind mit ADHS nimmt jedoch anderen Kindern regelmäßig Spielzeug weg, ohne zu fragen. Jedes Kind meldet sich einmal unaufgefordert oder kann es im Unterricht nicht abwarten, bis es an der Reihe ist.  Ein Kind mit ADHS tut das jedoch so oft, dass es meist als störend oder lästig empfunden wird. Jedes Kind wird von Zeit zu Zeit hinfallen, ein Kind mit ADHS weist aber eine höhere Rate an Unfällen auf und landet deshalb schon mal im Krankenhaus. Jedes Kind wird mal den Eltern davon flitzen (wollen), ein Kind mit ADHS ist aber so impulsiv, dass Eltern oftmals eine Leine benötigten, um es davor zu bewahren, auf die Straße zu laufen.
Obwohl alle Kinder dieses auffällige Verhalten aufweisen können, sind stark energiegeladene, aktive Kinder ohne ADHS fähig, ihre Konzentration für längere Zeit auf eine Aufgabe richten, wenn das nötig ist, um ein Ziel zu erreichen. Kinder mit ADHS können das nicht.

Nicht alle Kinder mit ADHS sind gleich

Jedes Kind mit ADHS weist überdies eine andere Kombination von Symptomen auf. Diese lassen sich in drei Kategorien einordnen.

  • Die erste ist der prädominante unaufmerksame Typ, der einst ADD genannt wurde.
  • Die zweite Kategorie ist unter prädominanter hyperaktiver/impulsiver Typ bekannt.
  • Die dritte ist der kombinierte Typ, der alle drei Bereiche vereint. Und das ist auch der am häufigsten vorkommende Typ von ADHS.

Kinder mit prädominantem unaufmerksamen ADHS-Typ sind in der Schule weniger störend, haben aber dafür zu Hause Ausbrüche und sind für Eltern eine wahre Herausforderung. Sie sitzen oft still da, schenken aber dem, was sie tun keine Aufmerksamkeit. Ein kleines Kind kann träumerisch, abwesend oder gelangweilt wirken, wodurch dieser Typ von Eltern und Lehrern leicht übersehen werden kann und oft erst bemerkt wird, wenn das Kind in der Schule bereits weit hinten nach ist.

Ist es wirklich nötig, ADHS zu behandeln?

Viele Menschen tendieren dazu, ADHS als etwas zu sehen, „das ja nur die Schule betrifft“. Doch das ist nur ein Behandlungsgrund (Frustration und Versagen in der Schule kann das Selbstwertgefühl untergraben). Einer der weiteren, von Außenstehenden oft unterschätzten Gründe ist das Zusammenleben in der Familie: Betroffene Eltern wissen nur allzu gut, wie stressvoll das Leben zu Hause sein kann, wenn ein Kind nicht fähig ist, eine Minute still zu sitzen, sich nicht konzentrieren kann, Dinge nicht zu Ende bringt, keine Anweisungen befolgen kann, oder nicht nachdenkt bevor es handelt. Kinder mit ADHS haben zudem oftmals Probleme, Freundschaften zu knüpfen und zu pflegen, weil sie häufig zu aggressiv, zu gesprächig und zu impulsiv sind. Teenager mit unbehandeltem ADHS sind anfälliger für Alkohol- und Drogenkonsum bzw. neigen schon sehr früh zu ungeschütztem Sex und sind laut Statistik auch öfter in Verkehrsunfälle verwickelt als andere Gleichaltrige. Last but not least tun sie sich als junge Erwachsene schwerer, einen Job zu behalten, verheiratet zu bleiben und Kinder groß  zu ziehen.
Hyperaktivität und Impulsivität scheinen zwar mit steigendem Alter nachzulassen, rund 40 Prozent jener, die als Kind unter ADHS gelitten haben, weisen aber auch als Erwachsene Beeinträchtigungen auf.

Möglichkeiten der Behandlung

Die gute Nachricht ist, dass es effektive Behandlungen für ADHS gibt. Diese beinhalten Medikamente und Verhaltenstherapien, bei der Kinder und deren Eltern Techniken gegen das störende und beeinträchtigende Verhalten  erlernen.

Medikamente

Die am häufigsten verschriebene Medikation für ADHS sind Stimulanzien, welche die Produktion bestimmter Botenstoffe im Gehirn (Neurotransmitter) beeinflussen, die u.a. für Aufmerksamkeits- und Impulskontrolle zuständig sind. Sie dienen dazu, die Aufmerksamkeit zu fokussieren und die Impulsivität und Hyperaktivität von Kindern mit ADHS zu drosseln.
Kinder mit ADHS medizinisch zu behandeln ist ein Prozess von Versuch und Beobachtung mit meist recht positiven Resultaten: 70 bis 80 Prozent der Kinder zeigen eine sehr gute Reaktion auf die erste Medikation, 15 Prozent reagieren auf die zweite Einnahme. Dennoch kann 20 bis 30 Prozent der Kinder durch Medikamente nicht geholfen werden. Manchmal können auch besorgniserregende Nebenwirkungen auftreten, die allerdings nach Absetzen der Medikamente wieder völlig reversibel sind.

Interaktionstherapie

Eine vielversprechende und empfehlenswerte Therapie für Kleinkinder mit ADHS, die anfällig für Wutausbrüche und andere störende Verhaltensweisen sind, ist die Eltern-Kind-Interaktionstherapie. Diese bringt den Eltern bei, das gewünschte Verhalten systematisch zu kultivieren und unerwünschte Verhaltensweisen zu minimieren. Die Interaktionstherapie behebt zwar nicht die Kernsymptome, aber sie hilft auf jeden Fall, den Stress in den Familien zu reduzieren und unterstützt betroffene Kinder dabei, ihr Verhalten (besser) zu kontrollieren. 

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