Geteiltes Leid ist

Geteiltes Leid ist doppeltes Leid

Neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen zufolge ist das Einfühlungsvermögen von Menschen derart stark ausgeprägt, dass sie häufig die Sorgen anderer mit ihren eigenen verwechseln.

Wir zeigen Freunden und nahen Verwandten mehr Empathie als fremden Personen. Klingt einleuchtend. Dass das Einfühlungsvermögen jedoch so ausgeprägt ist, dass viele von uns die Sorgen anderer zu unseren eigenen machen, ist ein doppeltes Problem. Menschen, die uns nahe sind, werden zu einem Teil von uns und unserer Persönlichkeit. Das ist mit ein Grund, warum sich Freunde mit der Zeit immer ähnlicher werden. Es kommt sozusagen zu einer Verschmelzung des Selbst mit den Freunden. sunny7 ist dem Phänomen des geteilten Leides nachgegangen und hat Psychologen Josef Fellner zu Rate gezogen. 

Geteiltes Leid ist...

Bei einer empathischen Wahrnehmung werden bei dem Gegenüber die gleichen Neuronen wie beim Betroffenen im Gehirn aktiviert – die bekannten Spiegelneuronen. Das hilft einen zu verstehen, was bei einer traurigen Person passiert ist und in ihr vorgeht.

Geteiltes Leid durch Mitgefühl

Eine empathische Wahrnehmung unterscheidet grundsätzlich zwischen zwei Reaktionen: Mitgefühl und Mitleid. Mitgefühl, bei dem der Zustand des Gegenübers wahrgenommen wird, man sich selbst jedoch emotional abgrenzen kann, macht die Sorgen tatsächlich zum halben Leid. „Wenn ein Freund traurig ist und man Mitgefühl zeigt, entlastet dies die betroffene Person, da man bei dieser Reaktion Handlungsspielraum hat und den Freund unterstützen kann“, sagt der Psychologe.

Mitleid verdoppelt das Problem

Mitleid hingegen bezeichnet – wie der Name schon sagt – das Leiden mit der jeweiligen Person. Bei dieser Reaktion ist die eigene emotionale Abgrenzung aber nicht gegeben, was das geteilte Leid zu einem doppelten macht. Mit Mitleid hilft man daher niemanden – kann in bestimmten Situationen jedoch auch nicht abgeschaltet werden. 

Menschen ohne Empathie-Vermögen

Empathie ist eine soziale Kompetenz, die uns versehen lässt, was andere fühlen. Ist diese jedoch nicht vorhanden, deutet dies auf eine psychische Störung hin. „Autisten besitzen diese Fähigkeit beispielsweise nicht“, sagt Fellner. Wenn jemand ohne Empathie-Vermögen jemanden weinen sieht, versteht er nicht warum. Auch hier ist kein Handlungsspielraum vorhanden.

Abgrenzung wesentlich

Wenn Ihre Freunde oder Verwandten Ihnen von deren Sorgen erzählen, versuchen Sie einen möglichen Lösungsweg zu suchen, indem Ihre Emotionen dabei Ihre eigenen bleiben. Grenzen Sie sich emotional so gut es geht ab – damit bieten Sie die beste Unterstützung.  

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