Facebook Profil

Katharina Kovacs

Facebook fördert Essstörungen

Nachdem die populäre Social Media-Plattform Facebook in den letzten Jahren bereits als Prügeljunge für Depressionen, Eifersucht, Isolation und letzten Endes auch für das geistige Abstumpfen seiner Nutzer herhalten musste, weist eine aktuelle wissenschaftliche Studie der Florida State University nun darauf hin, dass besonders weibliche Facebook-Userinnen ein erhöhtes Risiko tragen, an einer Essstörung zu erkranken.

Hungrig nach "Likes"

Beinahe jeder hat ein Facebook-Profil und die Online-Welt verschmilzt mit der analogen immer stärker. Die Forscher der Florida State University haben unter der Führung von Pamela Keel 960 Fälle ausgewertet und kamen zum signifikanten Schluss, dass bereits 20 Facebook-Minuten täglich äußerst kritisch sein können. Nebst diesem Zeitfaktor spielt auch der Wunsch von Facebook-Userinnen nach „Likes“ und positiven Kommentaren für die eigenständig verfassten Posts eine tragende Rolle im Hinblick auf das Risiko einer Essstörung.

Identitätsfindung auf Facebook

(c) Kuttelvaserova Stuchelova / shutterstock.comSocial Media-Plattformen wie Facebook vereinen die Einflüsse von Peer-Groups mit jenen traditioneller Medien. Peergroups – übersetzt „Gleichaltrigengruppen“ - haben bekanntermaßen enorme Funktionen für heranwachsende Jugendliche. Beispielsweise können sie zur Orientierung und Stabilisierung beitragen oder einfach emotionalen Halt geben. Außerdem spielen Peergroups bei der Identitätsfindung eine erhebliche Rolle und zwar indem sie Lebensstile, Identifikationsmöglichkeiten und eine Bestätigung der Selbstdarstellung bieten. Während die Kinder der 90er-Jahre „nur“ von Topmodels auf dem Cover unterschiedlichster Hochglanzmagazine beeindruckt und überfordert wurden, muss die heutige Jugend mit einem Perfektionsschwall aus den eigenen Reihen umgehen. Wer stellt schließlich Bilder von sich selbst auf sein Facebook-Profil, die ihn nicht von der besten Seite zeigen? „Now it's not the case that the only place you're seeing thin and idealized images of women in bathing suits is on magazine covers“, sagt Keel. „Now your friends are posting carefully curated photos of themselves on their Facebook page that you're being exposed to constantly. It represents a very unique merging of two things that we already knew could increase risk for eating disorders.“

"Fat Talk" und Objektifizierung

Die aktuelle Studie zeigt auf, dass die Glorifizierung einer extrem schlanken Figur und der pausenlos ausgeübte indirekte Druck innerhalb der Peergroup schwere Folgen nach sich ziehen können. Der erste Stein ist gelegt und schafft eine solide Basis für weitere Forschungsarbeiten auf diesem gesellschaftlich enorm relevanten Gebiet. Insbesondere auf die Reduzierung von Risiko-Faktoren für Essstörungen muss aufgrund der enorm hohen Sterblichkeitsrate dieser psychischen Krankheiten näher eingegangen werden.

Ironischerweise ist Facebook eine der besten Plattformen zur Einsetzung von Interventions-Strategien, wie beispielsweise der Ermutigung zur Beendigung des "Fat talks“: „That's when women get together and engage in negative commentary, usally about their own body, and it gets reinforced because it's a woman bond with one another and they get reassurance.“ Postet ein Mädchen auf ihrem Facebook-Profil, dass sie sich zu dick findet, wird diese Aussage von einem befreundeten Mädchen aus der Peer-Group verneint. Jedoch nicht mit einem simplen „Das stimmt doch nicht, du siehst großartig aus.“, sondern mit Aussagen wie „Oh, nein, du bist nicht dick, schau' doch mich an“. Dieser sogenannte „Fat-talk“ verstärkt nämlich nur das Gefühl, nicht gut und schön genug zu sein. Der abschließende Rat von Peer an Facebook-Userinnen ist, sich als ganze Person und nicht als Objekt zu präsentieren, das einer Bewertung bedarf.

Arbeiten über die Selbstpräsentation und Identitätsbildung von Jugendlichen im Social Web sind in der Forschungslandschaft sehr rar gesät, und das obwohl diese Thematik eine immer tragendere Rolle im Alltag junger Menschen spielt. Es bedarf etlichen weiteren wissenschaftlichen Arbeiten in diesem und nicht zuletzt auch im Bereich der Medienpädagogik.

 

Zum Paper: http://fsu.edu/indexTOFStory.html?lead.facebook_study

facebook, Essstörungen, Gesundheit, Psychologie, Krankheiten, Social Media

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