„Bio-Lebensmittel sind gesünder“

Bio-Pionier Werner Lampert geht neue Wege – und zwar noch strengere als bisher. Er fordert von seinen Lieferanten höhere Auflagen als es das Gesetz vorschreibt. Auch Regionalität und Saisonalität sind Begriffe, die er mit seiner Marke weiter stärken will.

Werner Lampert hat einen Auftrag zu erfüllen. Einen, den er sich selbst auferlegt hat. Und es scheint, dass er der Erfüllung immer näher kommt: Die Bevölkerung gesund, biologisch und nachhaltig zu ernähren. Für seine Marke „Zurück zum Ursprung“ fordert er die Einhaltung strenger Kriterien. Kompromisslos schließt er gentechnisches Futtermittel, E-Nummern oder nicht artgerechte Tierhaltung aus. Und der Erfolg gibt ihm Recht.

sunny7: Eine neue Studie der Stanford-Universität ergab, dass biologische Lebensmittel nicht wesentlich gesünder sind als konventionelle. Trotzdem glauben viele Menschen, sich damit etwas Gutes zu tun. Wo liegt dann für die Käuferin der persönliche Benefit beim Kauf von Bio-Produkten?
Werner Lampert:
Selbstverständlich sind biologische Lebensmittel gesünder als konventionelle. Gesünder für die Umwelt, die Tiere und die Menschen. Für die Umwelt allein schon deswegen, weil im biologischen Landbau keine Pestizide oder Stickstoff-Mineraldünger eingesetzt werden. Und mit Zurück zum Ursprung gehen wir noch weiter: Wir verzichten auch auf Spritzmittel, die bei herkömmlichem Bio erlaubt sind! Und auch die Tiere sind gesund, denn sie verbringen viel Zeit auf den Almen und Wiesen und fressen beste Kräuter und Gräser. Und es ist ganz klar: Nur aus reiner, nährstoffreicher Natur und von gesunden, lebenslustigen Tieren können auch Lebensmittel kommen, die für den Menschen gesund sind.

Bei Gemüse ist es klar – keine giften Pestizide und Spritzmittel. Tiere werden biologisch gefüttert. Aber wie steht es um die Haltung? Welche Maßnahmen in Sachen artgerechter Haltung setzt „Zurück zum Ursprung“ und wie wirkt sich das auf unsere Nahrungsmittel aus?
Lampert:
Bei Zurück zum Ursprung hat die Tiergesundheit oberste Priorität. Unsere Kühe haben mindestens 180 Tage im Jahr Auslauf und davon verbringen sie mindestens 120 Tage auf der Weide. So können sich die Tiere auf der Weide frei bewegen und ihr Futter selbst suchen. Im Winter erhalten sie bestes Heu aus zahlreichen Kräutern und Gräsern und etwas Getreide, das von einem Bauern aus Österreich stammt. Wenn man also die perfekte Nahrung für die Kuh hat, ergibt dies natürlich auch eine leckere Milch.

„Zurück zum Ursprung“ bzw. „Prüf nach!“ haben besonders strikte Richtlinien und Kriterien. Strengere als es EU und die nationale Gesetzgebung vorschreiben. Wie motivieren Sie die Bauern, diese anzuwenden?
Lampert:
Wir müssen unsere Bauern nicht motivieren. Sie machen ihre Arbeit gerne und sind auch sehr stolz darauf. Dies kann aber nur erreicht werden, wenn eine Beziehung zwischen Produzenten und Konsumenten zustande kommt, also die Anonymität der Bauern zu Ende geht und diese wissen, für wen sie ihre Lebensmittel produzieren. Denn dann strengen sie sich besonders an. Wir müssen verstehen, dass der Bauer für das Wohlergehen und die Gesundheit der Konsumenten  verantwortlich ist. Und der Konsument ist durch das, was er kauft, dafür verantwortlich, wie der Bauer seine Landwirtschaft betreiben kann.

Werner LampertDas Sortiment von „Zurück zum Ursprung“ ist bereits beachtlich gewachsen. Auf welche neuen Produkte darf man sich in nächster Zukunft freuen?
Lampert:
Wir arbeiten laufend daran, das Sortiment zu erweitern. Regionalität ist dabei ein Thema, aber auch Saisonalität. So wird es im Herbst etwa verschiedene Erdäpfelraritäten geben. Ein weiteres geplantes Produkt sind Müslis.

Momentan boomt der für den Markt neu entdeckte und als natürlich proklamierte Süßstoff Stevia, der jedoch in Zentraleuropa noch nicht angebaut werden kann. Gibt es Projekte, Stevia in neuen Produkten zu verwenden?
Lampert:
Stevia ist in der EU Ende 2011 als E-Nummer zugelassen. Das bedeutet, es muss als Lebensmittelzusatzstoff deklariert werden. Da bei Zurück zum Ursprung keinerlei Zusatzstoffe wie E-Nummern zum Einsatz kommen, können wir Stevia nicht verwenden. Zudem sind für die Gewinnung von Stevia spezifische chemische Prozesse notwendig – die nicht ohne sind. Wir werden uns aber in nächster Zukunft auch noch mit Stevia auseinandersetzen.

Österreich ist Vorreiter bei biologischem Anbau und Gentechnikfreiheit. Wie könnte man andere Länder dazu motivieren, sich ebenfalls in diese Richtung zu entwickeln?
Lampert:
Die große Herausforderung für die Zukunft ist ganz klar: die Versorgung von Lebensmitteln sicherzustellen. Dafür benötigt es in allererster Linie eine andere Art des Denkens und Handelns! Der einzige Weg, der uns dahin führt, ist Nachhaltigkeit. Und Nachhaltigkeit führt nur dann zum Ziel, wenn sie aus einer Verantwortungsethik heraus betrieben wird, also das tatsächliche Einstehen für die Wahl der Mittel sowie für die Folgen und Nebenfolgen von Handlungen.
Weiters müssen wir zukunftsfähig handeln. Zukunftsfähiges Handeln bedeutet, die Bedürfnisse der Gegenwart zu befriedigen – ohne zu riskieren, dass unser Tun die Bedürfnisse auf ein lebenswertes Leben künftiger Generationen verunmöglicht. Unsere nachhaltige Lösung  muss eine transparente, regionale und biologische Landwirtschaft sein. Nur so werden wir uns künftig ernähren können. Stark regional verankerte Lebensmittelproduktion, die transparent und nachvollziehbar ist, schafft das wichtigste Gut, nämlich Ernährungssouveränität. Und diese Ernährungssouveränität wird nur eine gewandelte Bio-Landwirtschaft erbringen!

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