Die ung’sunde Watsch’n

Die „g’sunde Watsch’n“ war gestern. Heute zählen Konsequenz, Disziplin und klare Regeln bei der Erziehung. Warum selbst ein sanfter Klaps auf den Po nicht funktioniert.

Von Claudia Weber
Sun, 12/11/2011 - 22:37

Die Kinder haben etwas angestellt und schon beginnt die Mami zu schimpfen. Manchmal sind der Zorn und die Hilflosigkeit so groß, dass man ihnen am liebsten einen Klaps auf den Po geben möchte. Was unsere Eltern früher mit der „g’sunden Watsch’n“ rechtfertigten, ist heute völlig veraltet und macht auch keinen Sinn. „Die sogenannte ‚g’sunde Watsch’n’ ist und war niemals eine vertretbare Erziehungsmethode. Meist ist sie eine Kurzschlusshandlung, wenn die Eltern überfordert sind und ihnen die Nerven durchgehen“, sagt  die Pädagogin Mareike Krieger.

Leichte Schläge auf den Popo oder die Finger funktionieren einfach nicht. Es kann zwar kurzfristig unerwünschtes Verhalten beenden, aber dieser Erziehungsmethode fehle der Lerneffekt, ist sich Familiencoach Michaela Sauer sicher. Wenn Kinder durch Schläge – und sei es nur ein leichter Klaps auf den Popo – etwas lernen, dann das, dass man mit Gewalt Probleme lösen kann. Und das geben sie dann auch an den nächst Schwächeren weiter. Dann bekommt der Hund eben Haue oder die kleine Schwester, wenn das Kind Zorn verspürt. „Es führt auch dazu, dass Kinder bestimmte Dinge nicht mehr tun, weil sie sich vor der Strafe fürchten“, sagt Sauer und fügt hinzu: „Strafen führt niemals dazu, dass Kinder über ihr Verhalten nachdenken, sondern zu Gefühlen wie Traurigkeit, Rache, Trotz, Selbstmitleid, Wertlosigkeit und Schuld.

Obwohl die meisten Eltern es bedauern, wenn sie handgreiflich geworden sind, kursiert die Redensart „Das hat noch keinem geschadet“ leider immer noch in vielen Köpfen. Darin sieht die Pädagogin Mareike Krieger auch den größten Denkfehler. Sie ist der Meinung, dass Kinder auch vom leichten Hauen immer seelische Wunden davon tragen. „Nicht der körperliche Schmerz ist das Schlimmste, sondern die seelische Pein, dass einem der Mensch, den man am meisten liebt, weh tut“, sagt Krieger. Die beste Alternative laut Krieger ist Konsequenz. „Klare Regeln und eine eindeutige Kommunikation mit dem Kind vermeiden schon im Vorfeld, dass die Situation eskaliert“, so Krieger.