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© Foto: Studio Johannes Wagner; © Schloß Schönbrunn Kultur- und Betriebsges.m.b.H / Hofmobiliendepot -
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© Bundesmobilienverwaltung, Foto: Edgar Knaack -
© Schloß Schönbrun Kultur- und BetriebsgesmbH/ Agentur Robert Zolles
"Menschen haben immer gern gebadet"
Die Ausstellung „Der intime Zeuge“ des Wiener Hofmobiliendepots liefert interessante Einblicke in die Geschichte der Körperpflege. Ein Interview mit Kuratorin Eva B. Ottillinger über den Stellenwert von Hygiene in vergangenen Zeiten.
Von Natalie Nietsch
So, 20/11/2011 - 13:24
Ein Jahrhunderte langer Weg liegt zwischen den Hygienegewohnheiten der Antike und dem Hygienewahnsinn unserer heutigen Zeit. Körperpflege stand dabei stets in einem engen Verhältnis mit der jeweiligen Kulturepoche. Mit dem Klischee, dass Menschen sich damals nicht wuschen, möchte Eva B. Ottillinger, Kuratorin des Wiener Hofmobiliendepots, jedoch aufräumen. Die damalige Körperpflege hatte natürlich nicht die heutigen Standards. Das heißt aber nicht, dass Hygiene keine Rolle gespielt hat – sie sah einfach anders aus.
Sunny7: Was erwartet den Besucher bei dieser Ausstellung?
Eva B. Ottillinger: Es geht um die Geschichte der Körperpflege. Zahlreiche Einrichtungsgegenstände zum Waschen und Baden sind aus dem kaiserlichen Haushalt bis heute erhalten geblieben. Also all jene Möbel, die in den Schlössern in Verwendung waren und ursprünglich der Körperhygiene gedient haben: Waschtische, Toilettentische, Zimmerklos, Bidets und Spiegel. In so einem historischen Lagerbestand überleben Dinge, die beispielsweise in einem bürgerlichen Haushalt weggeworfen werden, sobald sie keine Verwendung mehr finden. Wichtig war uns zu zeigen, dass es in der Vergangenheit – sowohl in der Antike als auch im Mittelalter – eine ausgeprägte Hygiene gab. Diese hat aber nicht, so wie wir das heute gewöhnt sind, vorwiegend in den eigenen vier Wänden stattgefunden, sondern in speziellen Badeanstalten.
Welchen Stellenwert hatte Hygiene in der Vergangenheit?
Ottillinger: Wir wissen von der Antike, dass Körperhygiene ein ganz selbstverständlicher Teil des täglichen Lebens war. Wir haben schriftliche Quellen, die uns erzählen, dass man sich vor allem im Zusammenhang mit Mahlzeiten ganz selbstverständlich die Hände gewaschen hat. Auch eine Morgentoilette gehörte zum Standardrepertoire. Außerdem haben Menschen schon immer gern gebadet und sich dafür auch öffentliche und private Badeeinrichtungen geschaffen. Die römische Antike war technisch sehr weit entwickelt und hatte eigentlich im haustechnischen Sinn fast den Standard von heute.
Von welchem Standard sprechen wir?
Ottillinger: Es gab eine öffentliche Wasserversorgung, ein öffentliches Kanalsystem und entsprechend Wasserleitungen. Wasser stand im städtischen Bereich in relativ großer Menge zur Verfügung, und man konnte üppig baden. Sobald dieses System – in der Zeit der Völkerwanderung – zusammengebrochen war, musste natürlich jeder Kübel Wasser von irgendwo hergeschafft werden. Allein aus dieser praktischen Rahmenbedingung heraus waren die Wassermengen, die man zum Waschen und Baden brauchte, geringer oder standen nur Eliten zur Verfügung. Der verschwenderische Umgang mit Wasser, den wir heute gewohnt sind und der in der Antike teilweise vorherrschte, war zu dieser Zeit undenkbar.
Wie entwickelte sich die Körperpflege nach der Antike weiter?
Ottillinger: Im Mittelalter gab es Badestuben, die wie Thermen funktionierten, bautechnisch aber einfacher waren. Dort konnte man Schwitzbäder und Wannenbäder nehmen. Üblicherweise war eine Badestube zweimal in der Woche aufgeheizt. Wir haben hier in Wien das „Stubenviertel“, in dem im Spätmittelalter zahlreiche Badestuben angesiedelt waren. Aber es gab auch Badestuben, die neben dem reinen Baden „Mehrleistungen“ angeboten haben. Das ging in Richtung Badebordelle und wurde sowohl von der Kommune als auch von kirchlichen Stellen kritisch gesehen. An der Wende vom Mittelalter zur Neuzeit trat ein Wandel der Hygienegewohnheiten ein. Der Hautpanlass waren ansteckende Krankheiten, die sich eben gerade in so einer Atmosphäre wie einem Dampfbad entsprechend schnell verbreiteten. Das Waschen und Baden verlagerte sich aber dann immer mehr in die eigenen vier Wände.
War dieser gesundheitliche Aspekt der Grund, warum Körperhygiene in dieser Zeit beinahe als schädlich betrachtet wurde?
Ottillinger: Ab 1600 gibt es Quellen von Ärzten, die damals der Meinung waren, dass das Wasser in die Haut eindringt und der Gesundheit schaden kann. Das geht zurück auf die Viersäftelehre der Antike von Galen. Die Grundidee dieser Lehre ist, dass es vier Temperamente gibt, die in Verbindung mit unseren Körpersäften stehen und harmonisch sein müssen. Mit unserem heutigen Wissen vom menschlichen Körper hat das natürlich nichts zu tun. Wir wissen aber nicht, inwieweit so eine Meinung eines Hofarztes tatsächlich bis zu allen Bevölkerungsschichten durchgedrungen ist. Das muss man sehr kritisch sehen.
Wer hat eine Art Vorreiterrolle in der Körperhygiene eingenommen?
Ottillinger: Wenn man die Geschichte so im Überblick betrachtet, nehmen Frauen immer wieder eine gewisse „Role model Funktion“ ein, weil sie Baderäume und Bademöglichkeiten für sich forderten. Bestes Beispiel: Madame Pompadour oder Kleopatra. In Österreich nahm Kaiserin Elisabeth eine Vorreiterrolle ein. Sie galt in ihrer Zeit als eine sehr schöne Frau. Dessen war sie sich auch bewusst. Sie hatte damals in den Medien eine Funktion, ähnlich wie Lady Di später, eingenommen.
Wie kann man sich das Pflegeregime von Kaiserin Elisabeth vorstellen?
Ottillinger: Sie hat der Körperpflege in ihrem Alltag sehr viel Zeit gewidmet. Nicht nur Körperpflege oder Kosmetik, sondern auch Sport und Gymnastik. Sie hatte als erste in der Wiener Hofburg ein Badezimmer neben ihrem Ankleidezimmer. Ihre wunderschönen Haare, die sehr lang waren und bis über die Hüften gefallen sind, bestimmten ihren gesamten Tagesablauf. Das tägliche Frisieren war Stundenmühe und das Haarwaschen – etwa alle 14 Tage mit Ei – nahm einen halben bis dreiviertel Tag in Anspruch.
Welche Pflegeprodukte und Hygienemittel standen den Menschen damals zur Verfügung?
Ottillinger: In der Antike war Olivenöl das Hauptpflegemittel. Man hat sich mit einem Metallschaber abgeschabt und danach mit Olivenöl eingeschmiert. Aber auch Seife gibt es schon sehr lange. Vor allem im Orient wurde schon sehr früh hochwertige Seife hergestellt. Es überrascht daher nicht, dass im Hamam diese Seifenanwendungen Tradition haben. In den mittelalterlichen Badestuben wurde Seifenlauge für den Badetag vorbereitet. Ab der Neuzeit hat sich die Seifenerzeugung dann chemisch stetig verbessert. Im 19. Jh. wurde sie immer billiger und damit auch für weite Bevölkerungsschichten zugänglich.
Wurde damals auch schon Mundhygiene betrieben?
Ottillinger: Zahnpflege als Teil der Morgentoilette gibt es ebenfalls seit der Antike. Dazu gehörten ein Ausspülen des Mundes und das mechanische Beseitigen von Ablagerungen zwischen den Zähnen, mit Hilfe von Holzstäbchen oder dünnen Stoffen, die man wie Zahnseide verwendete. Wir haben seit der Neuzeit Hinweise auf Zahnbürsten, die meist mit Sauborsten bestückt waren. Die ersten Zahnbürsten wurden aus Holz, später aus frühen Kunststoffen hergestellt. Das gab es aber natürlich nicht für jeden, weil man nicht einfach zu in die Drogerie gehen konnte, um eine Zahnbürste zu kaufen.







