Ausgefallenes Nageldesign

„Bei uns ist alles Handarbeit“

Direkt am Rennweg zaubert Klaus Hainisch seine fantasievollen, internationalen Kreationen auf die Nägel der Österreicherinnen. Wir sprachen mit ihm über Design, Zukunft und die teuersten Nägel der Welt.

Nicht weit vom den Schlossgärten des Belvedere findet man das kleine Nagelstudio Vienna Naildesign, das von Klaus Hainisch und seiner Geschäftspartnerin Alice Mayer betrieben wird. Frauen zwischen 14 und 89 Jahren zählen zu seiner Kundschaft, die sich an außergewöhnlichen Nagelkreationen erfreuen dürfen. Im sunny7 Interview erzählte der Nagelfetischist von aktuellen Nageldesigntrends, neuen Materialien und Modellierungstechniken.

Sunny7: Welche Nageldesign-Trends erwarten uns in der Frühjahr/Sommer-Saison?
Klaus Hainisch: Die Schlammtöne und erdigen Nuancen des Winters werden im Frühjahr durch knallige Farben abgelöst. Das sind zum Beispiel Pink, Gelb, ein flashiges Blau und ein flashiges Grün. Im Sommer erwarten uns dann Pastellfarben. Was die Länge angeht, so werden die Nägel seit etwa einem halb Jahr immer kürzer getragen. Ungefähr einen Zentimeter lang, da lange Nägel im Geschäftsbereich, Haushalt und Alltag doch eher unpraktisch sind. Außerdem lässt sich eine neue Nagelform beobachten. Eine Form zwischen eckig und oval, die sich Pipeform nennt und in einem 45 Grad-Winkel an den Ecken abgeschrägt wird. Diese Form wird sich wahrscheinlich ab März oder April in Österreich durchsetzen.

Tendieren Ihre Kundinnen eher zu schlichten oder knalligen Designs?
Hainisch: Das ist ganz verschieden. Einmal auffällig, dann wieder schlicht. Meine jüngste Kundin ist 14, die älteste 89 Jahre. Beide haben gemeinsam, dass sie knallige Farben und einfache Muster lieben. Wir arbeiten in unseren Studio mit Airbrushtechnik und einem neuen Trend, der seit vergangenem Sommer im Kommen ist. Diese neue Technik nennt sich One-Stroke. Das ist eine Blütentechnik, bei der mit einem Pinselstrich mehrere Farben auf einmal verarbeitet werden können.

Die One-Stroke Methode wird nur mit einem Pinsel aufgetragen?
Hainisch: Ja genau. Es ist eine ganz eigene Technik, bei der mit einem flachen Pinsel auf dem Nagel gemalt wird. Eine Seite des Pinsels wird dabei in eine gewünschte Farbe getaucht, die andere Seite des Pinsels in eine andere. Dann zieh ich den Pinsel über den Nagel. Ich starte damit noch in diesem Jahr und werde ganz Wien damit überschwemmen.

Wo lernen Sie diese Techniken?
Hainisch: Ich habe in Amerika gelernt, setze mich aber mittlerweile selbst hin, probiere eigene Techniken aus und schaue, was ich noch besser machen könnte.

Welche Materialien bieten Sie in Ihrem Nagelstudio an?
Hainisch: Gel, Acryl, aber auch Fieberglas. Wobei Fieberglas die wenigsten kennen. Auf Gel muss ich dick modellieren, weil es ein weiches, flexibles Material ist und auch nachgibt. Für den alltäglichen Gebrauch ist es natürlich sehr gut. Acryl ist ein hartes, stabiles Material, darum kann ich schon ein wenig dünner modellieren. Fieberglas ist eines der härtesten Materialien, mit dem hauchdünn designt werden kann.

Welches Material würden Sie Ihren Kundinnen empfehlen?
Hainisch: Alle drei. Wir stellen uns auf jede Kundschaft neu ein und fragen genau danach: Was macht die Kundin beruflich? Gibt es Kinder im Haushalt? Oder tendiert der Mann dazu, die Hauspatschen auszustrecken? Wir wollen natürlich, dass die Dame so lange wie möglich Freude an ihren Nägeln hat und dass sie nicht nach zwei, drei Tagen wieder kommen muss.

Wie lange halten die Nägel im Durchschnitt?
Hainisch: Alle drei Materialien halten in der Regel drei bis sechs Wochen.

Welche Nageldesigns bieten Sie außer One-Stroke sonst noch an?
Hainisch: Zum Beispiel die Airbrush-Technik. Wie auf einer Motorhaube wird hier auf dem Nagel mit einer Luftpistole ein kleines Muster aufgesprüht. Bei uns ist alles Handarbeit. Vor acht Jahren hatte ich mal angefangen, mit Stamping (Anm.: Stickern) zu arbeiten. Davon bin ich aber schnell wieder abgekommen, weil es nicht lange hält. Das mag die Kundschaft natürlich nicht.

Was versteht man unter der Schablonen-Technik?
Hainisch: Bei der Schablonentechnik habe ich keinen Plastik-Tip. Ich setze eine Schablone auf den Nagel und modelliere dann das Material drauf. Nachdem es hart ist, nehme ich die Folie weg. Dadurch habe ich von hinten bis nach vorne eine Modellage, ohne darunter ein Plastik zu haben. Schablonentechnik bedeutet auch, dass ich den Nagel so formen kann, wie die Kundschaft es möchte. Ich kann den Nagel auch schmäler machen, indem ich den Naturnagel relativ fest zusammendrücke und warte bis das Material ausgehärtet ist. In der Länge kann man wiederum auch variieren oder auch in Richtung Stiletto-Form gehen. Bei der Stiletto-Form laufen die Nägel vorne zusammen. In Österreich hat sich dieser Trend aber leider nicht durchgesetzt.

Was war das ausgefallendste Muster, das Sie je kreiert haben?
Hainisch: Die Skyline von New York. In 6 ½ Stunden Arbeit habe ich einen Übergang vom kleinen Fingernagel bis zum Daumen designt. Hat man die Nägel zusammengehalten, ergab das ein Gesamtbild der Skyline.

Wie viel kostet ein Nageldesign im Durchschnitt?
Hainisch: Wir sind in der Preisklasse relativ günstig, weil wir mit der Masse arbeiten. Von 40 Euro bis hin zu 60 oder 65 Euro. Unsere Kundschaft gibt dafür gerne Geld aus. Ich sag immer: Eine Frau verhungert lieber, bevor Nägel und Haare nicht perfekt sitzen. Im letzten Jahr hab ich ein Event im Club Couture veranstaltet, wo ich die teuersten Nägel der Welt gemacht habe. 32 Brillanten im Wert von 100.000 Euro hab ich an einem Abend verarbeitet.

Wie schwer war es für Sie, sich am österreichischen Markt zu etablieren?
Hainisch: Es war schon schwer, weil ich doch männlich bin. Da waren die Frauen zuerst ziemlich misstrauisch. Kann das ein Mann überhaupt? Das war aber nur in Österreich so. In Deutschland, Holland, Portugal, Spanien, Frankreich, England und Amerika bin ich mit offenen Armen empfangen worden. Seit 2 ½ Jahren sind wir jetzt selbstständig und meist zwei bis drei Wochen vorher ausgebucht. Gestern habe ich zum Beispiel unserer Verkehrsministerin die Nägel gemacht. Politikerinnen sind aber in meinen Augen die Ärmsten, weil es strikte Richtlinien gibt, wie die Nägel auszusehen haben.

Woher kommen die Nageldesign-Trends?
Hainisch: Nageltrends kommen aus Asien und Russland. Nicht wie so oft gedacht aus Amerika. Aus Russland kommt zum Beispiel auch die 3D-Technik.

3D-Technik?
Hainisch: Bevor ich das Material draufsetze, modelliere ich Blüten. Wenn ich dann den Finger bewege, wirkt die Blüte im Inneren wie ein Hologramm. Anfangs kam dieser Trend sehr gut an, ging dann aber wieder zurück, weil das Design doch bis zu drei Stunden dauern kann und 180 bis 240 Euro kostet.

Haben Sie abschließend noch einen Geheimtipp für gepflegte Nägel?
Hainisch: Nagelöl nicht vergessen! Leider denken viele Frauen, dass es eine Handcreme auch tut. Eine Handcreme ist aber zu weich. Ein Nagelöl hingegen ist fettend und zieht schön in die Nagelhaut ein. Dadurch wird das Ganze schön geschmeidig. Einfach rund um den Nagel auftragen und in die Nagelhaut einmassieren.

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